Zwei Nachlesen zum Theaterstück „Moooment mal“

Moooment mal:

Die Theater AG des BGS – die Welt der Schauspielerei aus Sicht einer Schauspielenden

Also, wollt ihr diesmal selbst schreiben, oder ein Stück kaufen und anpassen? Fragt Herr Noll in die Runde, während wir alle Theaterkekse futtern.

Dies ist eine der entscheidendsten Fragen, denn noch steht alles offen. Aber ehe man sich‘s versieht, ist das Jahr so gut wie um und wir müssen wieder bereit sein, auf der Bühne zu stehen. Obwohl sich das selbst schreiben noch ein kleines bisschen persönlicher anfühlt, haben wir uns letztes Schuljahr dazu entschieden, ein Stück zu kaufen. „Gleich geht‘s los“ sollte es also werden. Ein Stück, das eine Gruppe an Menschen widerspiegelt, die unterschiedlicher nicht sein können und doch alle an einem Ort zusammengekommen sind. Der Warteraum im Flughafen. Das stand also schon mal fest. Jetzt musste nur noch aus „diesem“ Stück „unser“ Stück werden. So wurde der Titel von „Gleich geht’s los“ zu „Moooment mal“ umgeändert und ja, wir haben tatsächlich darüber abgestimmt, wie viele o’s in dem Wort Moooment stehen sollten… Die Figuren des Stückes sollten nicht mehr nach Madrid, sondern nach Miami fliegen. Da wir uns als Theatergruppe auch für Politik interessieren, haben wir die Gelegenheit genutzt um unsere Meinung zur politischen Situation in Amerika zu äußern. Es kamen auch noch neue Charaktere dazu. Wie zum Beispiel die Künstlerin, die während des Stückes echte Kunst auf Papier entstehen lässt. Dieses Projekt hatte mehr Tücken und Herausforderungen als gedacht, aber dazu in einem anderen Artikel mehr.
Meist werden die einzelnen Szenen auf kleinere Gruppen aufgeteilt und so umgeschrieben, dass das Stück zu uns als Team passt. So verzaubert jede*r das Stück mit eigenen kreativen Impulsen ein bisschen mehr. Eine sehr große Hilfe sind in der Regel zudem immer wieder Ehemalige des BGS-Theaters. Im vergangenen Jahr unterstützte uns Luca Marie Gebhardt in ganz erheblichem Maße und mit sehr wertvollen Ideen.

So wurde fleißig geschrieben, nach Kostümen und Requisiten gesucht und so langsam bekam jede*r eine Vorliebe für bestimmte Charaktere, die er oder sie spielen wollte. Das ist auch gut so, denn als nächstes stand die Fahrt zum Scheersberg an. Dort wurde dann endlich geprobt und die letzten Änderungen am Lichtbuch wurden vorgenommen. Diese Fahrt, wenn auch nur für ein paar Tage, ist eines der wichtigsten Ereignisse. Denn neben den ganzen Proben und den ulkigen Improtheater Übungen und der Zeit, die uns im Nacken hockt, wachsen wir endlich als eine Einheit zusammen. Danach ist nicht mehr viel Zeit bis zu den eigentlichen Aufführungen. Vor allem wenn man bedenkt, dass der alltägliche Wahnsinn noch nebenbei abgearbeitet werden möchte. Und dann ist da ja noch das Probenwochenende – Samstag und Sonntag jeweils 10 oder mehr Stunden mit der ganzen Gruppe in der Schule. Mit der Lichteinrichtung jeder Szene und dann der Generalprobe zum Schluss (Gut, die kann auch mal erst am Montag sein – wie in diesem Fall aus Zeitnot und aus Krankheitsgründen). Aber dann gibt es kein Zurück mehr! Aber das will auch keiner, denn es gibt kein schöneres Gefühl, als nach all der Arbeit das Publikum klatschen zu hören, wenn die Aufführung ein weiteres Mal erfolgreich war.


Gemälde entstehen lassen, während einer Theateraufführung?! Theater-Live-Kunst?

Ja, Sie haben richtig gehört: Im letzten Schuljahr hat die Theatergruppe des Bernstorff-Gymnasiums Satrup das Stück „Moooment mal…“ aufgeführt. Dieses spielt in dem Warteraum eines Flughafens für den Flug nach Miami. Das Problem: der Flug wird wieder und wieder verschoben und die Wartenden lernen sich gezwungenermaßen näher kennen. Das ein oder andere Geheimnis kommt ans Licht und zwischen alten Schauspielerdiven, Taschendieben, der blinden Berlinerin und anderen schrägen Charakteren wird sogar ein Heiratsantrag gemacht.

Zudem hat sich die Theatergruppe noch etwas Besonderes ausgedacht. Ein Charakter des Stückes war eine Künstlerin. Diese machte sich auf den Weg nach Miami, um dort ihre Kunst zum ersten Mal im Leben in einer Urban Art Ausstellung präsentieren zu können.

Wie eindrucksvoll wäre es also, wenn diese Künstlerin nun während der Aufführung an ihren Kunstwerken arbeitet? Zudem war der Plan, eine politische Botschaft mithilfe der Kunst auszudrücken. So sollte im Laufe des Stückes ein Aktivist die Worte „FUCK ICE“ mit Graffiti auf ein Plakat sprühen. Das Problem, welches Graffiti mit sich bringt sind die unangenehm riechenden Dämpfe. Daher bestand der Großteil an Kunstmaterialien aus Acrylfarbe und nur das politische Statement wurde gesprayt. Andernfalls hätten die anderen Darstellenden womöglich Schwierigkeiten mit dem Atmen gehabt. Da dieses Problem nun gelöst war, kam der Gruppe eine weitere Idee. Die Künstlerin könnte die anderen Charaktere mit einbeziehen. So hätten sie die Möglichkeit ihre Emotionen und Charakterzüge nicht nur verbal, aber auch visuell zum Ausdruck zu bringen. So benutzte Michelle, eine junge Frau kurz vor dem Burnout nur noch schwarz, während sie malte. Aufgrund von Platzmangel wurden pro Aufführung nur zwei Bilder gemalt. Die ursprüngliche Idee, dass jede*r sein eigenes Bild malt, blieb somit unerfüllt. Dies war jedoch kein Nachteil, denn so entstand aus den so unterschiedlichen Malereien der Einzelnen ein wunderschönes zusammenhängendes Bild. Das Gefühl von Gemeinschaft konnte so noch viel mehr zum Ausdruck gebracht werden. Die letzte Hürde war das Timing. Es bedurfte eines guten Zeitgefühls beim Malen, damit das Bild am Ende des Stückes nicht etwa zu voll oder zu leer war. Aber auch das war kein allzu großes Problem.

Die Darstellerin persönlich empfand es als sehr schön, während des Schauspielens die Kunst auch noch auf der Leinwand zum Ausdruck bringen zu können. Es kam sehr viel positives Feedback. So war die Idee ein großer Erfolg und wird bestimmt auch in irgendeiner Form in unseren nächsten Stücken zu finden sein.

Pia Schultz, 13c